Was ist Volkswirtschaftslehre und welche Bedeutung hat sie?

Laut dem Spiegelartikel vom 17.03.2010 soll ein Wirtschaftsrat das ökonomische Profil der SPD „wiederbeleben“, welches abhanden gekommen sei. Zur Belebung werden unter anderem Wirtschaftswissenschaftler eingebunden. Dies misst der ökonomischen Theorie eine hohe Bedeutung bei, aber hat die ökonomische Theorie eine solche Bedeutung für die Politik?

Keynes merkte dazu folgendes an:

Im gegenwärtigen Augenblick erwarten die Menschen mehr als sonst eine grundlegendere Diagnose […]. Von dieser zeitgenössischen Stimmung abgesehen, sind aber die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen, sowohl wenn sie im Recht, als wenn sie im Unrecht sind, einflußreicher, als gemeinhin angenommen wird. Die Welt wird in der Tat durch nicht viel anderes beherrscht. Praktiker, die sich ganz frei von intellektuellen Einflüssen glauben, sind gewöhnlich die Sklaven irgendeines verblichenen Ökonomen. Wahnsinnige in hoher Stellung, die Stimmen in der Luft hören, zapfen ihren wilden Irrsinn aus dem, was irgendein akademischer Schreiber ein paar Jahre vorher verfaßte. […] früher oder später sind es die Ideen […] von denen die Gefahr kommt, sei es zum Guten oder zum Bösen.

In diesem Sinne könnte man argumentieren, dass die SPD eine politische Alternative zu den Vertretern des Liberalismus bildete, welche zuerst durch die marxistischen Theorien und später durch die keynesianischen Theorien wirtschaftswissenschaftlich fundiert war. Mit der Verdrängung des Marxismus, des interventionistischen Keynesianismus, der Ordoliberalen und der damit einhergehenden Rückkehr des Neoliberalismus in der ökonomischen Wissenschaft, hat die SPD scheinbar auch die argumentative Grundlage für eine alternative Wirtschaftspolitk verloren.

Dieser Workshop soll möglichst konkret zu den Bereichen Verteilungstheorie, Arbeitsmarkttheorie und Finanzmarkttheorie ein Verständnis ökonomischer Theorie vermitteln und die wirtschaftspolitische Rechtfertigung einer politischen Alternative andeuten.

Vorwort: Jens Reich; „Ökonomisch“ für Anfänger.

Modellbildung und ökonomisches Fachvokabular.

Thema 1: Johannes Glaeser; Drei Sichtweisen auf Lohnforderungen.

Marx, Keynes und Neoklassik.

Thema 2: Jens Reich; Zwei Sichtweisen auf Arbeitslosigkeit.

Neoklassische versus keynesianische Arbeitslosigkeit.

Thema 3: Johannes Zöphel; Zwei Sichtweise auf Finanzmärkte.

Finanzmärkte und Finanzkrisen.